Seiteninhalt
Familie
Ihre Meinung ist uns wichtig!
Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen per Email an die Adresse familieNOSPAM@fw-bayern.NOSPAM.de.
Der Familie eine Chance!
1. Familien stützen die Gesellschaft
Die Statistik beweist es: immer mehr Menschen bestreiten ihr Leben in Singlehaushalten,
immer mehr Kinder wachsen bei alleinerziehenden Eltern auf, immer mehr Senioren
verbringen ihren Lebensabend nicht mehr im Kreise einer Familie. Wertewandel und moderne
Arbeitswelt mit dem Zwang zu Mobilität haben einen nicht geringen Anteil an dieser
Entwicklung. Dabei ist der Wunsch nach Familie bei den meisten Menschen ungebrochen,
nur eben nicht immer ganz einfach zu verwirklichen. Familie gibt Geborgenheit, bietet
Rückzugsmöglichkeit bei Schwierigkeiten des Alltags. Kinder können von den
Lebenserfahrungen der Großeltern profitieren und Eltern werden entlastet, wenn Kinder bei
Oma und Opa beschäftigt sind. Viele Einrichtungen, die der Staat heute bereitstellen muss,
sind Folge der zunehmenden Individualisierung und des Zerfalls traditioneller
Familienstrukturen.
Ob Kinderkrippe, Mittags- und Nachmittagsbetreuung oder Seniorenheim. Die Leistungen, die
bisher und vielfach auch heute noch Mütter und Hausfrauen selbstverständlich und
unentgeltlich erledigt haben, müssen plötzlich von kostenintensiven Einrichtungen
aufgefangen werden. In diesen Einrichtungen arbeiten dann wieder dieselben Personen
gegen Bezahlung und müssen andererseits bei Leistungsempfang bezahlen. Aber es ist eben
außerhalb der Familie organisiert und darum wird dafür Geld hin- und hergeschoben und es
werden Leistungstabellen ausgefüllt. Die Arbeit bleibt dieselbe: Kinder sind zu betreuen und
Senioren sind zu pflegen. Oft wird dabei mehr Arbeitszeit auf dem Papier vergeudet als an
Betreuungszeit dem Mitmenschen zugute kommt.
Der Staat tut also gut daran, der Familie wenigstens eine Chance zu geben, ohne
andererseits das Leben in der Familie als staatliche Zielvorgabe zu verordnen und z.B. durch
das Vorenthalten von Kinderbetreuungseinrichtungen denen das Leben schwer zu machen,
die aus welchen Gründen auch immer der Zielvorgabe nicht gerecht werden können. Gerade
in der Stadt ist häufig schon eine Mietwohnung für eine mehrköpfige Familie für einen
Normalverdiener kaum bezahlbar. Eine Metropolpolitik, die die Zusammenballung von immer
mehr Menschen auf engem Raum zum Ziel oder zumindest zur Folge hat, ist eine Ursache
dieser Fehlentwicklung.
100 000 Einwohner mehr in München in 15 Jahren werden die Mietpreise nicht sinken lassen.
Der dafür leerstehende Wohnraum in Teilen von Oberfranken hilft auch nicht weiter, weil dort
die Arbeitsplätze fehlen, Schulen geschlossen wurden und die medizinische Versorgung nicht
mehr gesichert ist. In der Stadt müssen meist beide Elternteile wegen der hohen
Lebenshaltungskosten arbeiten, haben aber Schwierigkeiten, die Kinder während ihrer
Abwesenheit betreuen zu lassen.
2. Familien entlasten
Betreuungseinrichtungen können das Einkommen einer Person beinahe wieder aufzehren.
Wir müssen soweit kommen, dass Kinderbetreuungseinrichtungen so gut wie kostenfrei
angeboten werden, genau wie die Schule. Was im benachbarten Ausland möglich ist, sollte
im wohlhabenden Bayern ebenfalls zum Standard gehören.
Als erster Schritt muss das letzte Kindergartenjahr kostenfrei gestellt werden – als
schulvorbereitendes Pflichtjahr unter der Zuständigkeit des Kultusministeriums. Zug um Zug
soll so die Kostenfreiheit dann nach unten fortgesetzt werden.
Es ist auch an der Zeit, auf das finanzielle Schicksal von Elternteilen hinzuweisen, die eine
gescheiterte Beziehung hinter sich haben. Es darf nicht sein, dass der Versuch einer
Familiengründung so stark sanktioniert wird, dass der zahlungspflichtige Elternteil finanziell
keinen Boden mehr unter die Füße bekommt, was die Gründung einer neuen Partnerschaft
schon von vorneherein schwer belastet.
Mehr gesamtgesellschaftliche Unterstützung für Eltern in Form kostenfreier Betreuungseinrichtungen
für ihre Kinder ist eine Möglichkeit, insgesamt mehr Mut zu Familie und
Kinderwunsch zu machen, da das Risiko für Leute mit Kinderwunsch überschaubar wird.
Schon der Ausdruck „Mut zu Kindern“ zeigt, dass man sich unter den derzeitigen
Rahmenbedingungen mit einem Kind auf ein Wagnis einlässt und fürchten muss, am Ende
mit der Situation nicht fertig zu werden. Hier muss die Solidargemeinschaft im eigenen
Interesse mehr Unterstützung leisten. Selbst die Steuerpolitik kann hierzu z.B. durch
Familiensplitting einen wichtigen Beitrag leisten.
Freie Wähler Bayern e.V. Seite 24 /24
3. Senioren in die Gesellschaft zurückholen
Auch für die Bürger im letzen Lebensabschnitt gilt es Verbesserungen herbeizuführen. Die
Erfahrungen und das Potential von rüstigen Senioren dürfen nicht brach liegen. Ob im
ehrenamtlichen, sozialen oder kommunalen Bereich – es gibt viele Tätigkeiten, bei denen wir
auf die Tatkraft und Erfahrungen der Generation 60+ noch mehr zurückgreifen müssen. Dies
gibt auch den Senioren wieder Lebensfreude zurück und das wertvolle Gefühl, gebraucht zu
werden. In jeder Natur belassenen Gesellschaft und auch in der Familie ist es
selbstverständlich, dass sich Menschen für das Gemeinwesen einbringen wollen, solange sie
das irgendwie können. Nur unsere moderne arbeitsteilige Welt glaubt, Menschen zu Beginn
des letzten Lebensdrittels trotz körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit aussortieren zu
müssen, um dann vor einer Rentnerschwemme zu warnen, die immer schwerer zu
finanzieren sei.
Es ist unverständlich, warum die Pflege eines Familienangehörigen zu Hause nur mit einem
Bruchteil der Summe honoriert wird, die für die Heimpflege abgerechnet wird. Ebenso ist es
eine Fehlentwicklung, dass Pflegekräfte, obwohl nicht sonderlich gut bezahlt, zu immer mehr
Leistung und Durchsatz angetrieben werden, wobei die individuelle Betreuung der
Pflegepersonen zunehmend auf der Strecke bleibt. Das darf in einer humanen Gesellschaft
nicht zwangsläufiges Schicksal am Ende des Berufs- und Steuerzahlerlebens sein!
Da Senioren immer weniger auf eine eigene Familie zurückgreifen können, müssen in Zukunft
Betreuungsnetzwerke für Senioren aufgebaut werden. Vielfach sind es nur einige kleine
Handreichungen, die täglich nötig sind, um die teure Heimunterbringung noch einige Jahre
hinauszuschieben. Es bietet sich an, hierzu sozial engagierte Mitmenschen, gerade auch
rüstige Senioren, aus dem näheren Umfeld zu vermitteln, die gegen anständige Bezahlung
die kleinen Dinge des Alltags erledigen helfen. Frühstück zubereiten, die Wohnung pflegen,
Einkäufe erledigen, etwas persönliche Ansprache. So braucht die eigene Wohnung, die
gewohnte Umgebung und Nachbarschaft noch nicht gegen einen Heimplatz getauscht zu
werden. Der Betreuer kann sich möglicherweise nacheinander um mehrere hilfsbedürftige
Personen kümmern, hat dadurch eine Aufgabe, kann verdienen oder sich die Rente
aufbessern und spart der Allgemeinheit noch einen beachtlichen Teil an Pflegekosten. Das
bringt Menschlichkeit in den letzten Lebensabschnitt zurück. Einfallsreichtum ist gefragt und
unbürokratische Lösungen müssen möglich gemacht werden. Das gelingt jedoch nur, wenn
man den Irrglauben ablegen kann, alles müsse hochoffiziell bürokratisch erfasst und
zertifiziert sein, wobei aber am Ende Papier und Realität oftmals nicht übereinstimmen.
