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Familie

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Der Familie eine Chance!

1. Familien stützen die Gesellschaft 

Die Statistik beweist es: immer mehr Menschen bestreiten ihr Leben in Singlehaushalten,

immer mehr Kinder wachsen bei alleinerziehenden Eltern auf, immer mehr Senioren

verbringen ihren Lebensabend nicht mehr im Kreise einer Familie. Wertewandel und moderne

Arbeitswelt mit dem Zwang zu Mobilität haben einen nicht geringen Anteil an dieser

Entwicklung. Dabei ist der Wunsch nach Familie bei den meisten Menschen ungebrochen,

nur eben nicht immer ganz einfach zu verwirklichen. Familie gibt Geborgenheit, bietet

Rückzugsmöglichkeit bei Schwierigkeiten des Alltags. Kinder können von den

Lebenserfahrungen der Großeltern profitieren und Eltern werden entlastet, wenn Kinder bei

Oma und Opa beschäftigt sind. Viele Einrichtungen, die der Staat heute bereitstellen muss,

sind Folge der zunehmenden Individualisierung und des Zerfalls traditioneller

Familienstrukturen.

Ob Kinderkrippe, Mittags- und Nachmittagsbetreuung oder Seniorenheim. Die Leistungen, die

bisher und vielfach auch heute noch Mütter und Hausfrauen selbstverständlich und

unentgeltlich erledigt haben, müssen plötzlich von kostenintensiven Einrichtungen

aufgefangen werden. In diesen Einrichtungen arbeiten dann wieder dieselben Personen

gegen Bezahlung und müssen andererseits bei Leistungsempfang bezahlen. Aber es ist eben

außerhalb der Familie organisiert und darum wird dafür Geld hin- und hergeschoben und es

werden Leistungstabellen ausgefüllt. Die Arbeit bleibt dieselbe: Kinder sind zu betreuen und

Senioren sind zu pflegen. Oft wird dabei mehr Arbeitszeit auf dem Papier vergeudet als an

Betreuungszeit dem Mitmenschen zugute kommt.

Der Staat tut also gut daran, der Familie wenigstens eine Chance zu geben, ohne

andererseits das Leben in der Familie als staatliche Zielvorgabe zu verordnen und z.B. durch

das Vorenthalten von Kinderbetreuungseinrichtungen denen das Leben schwer zu machen,

die aus welchen Gründen auch immer der Zielvorgabe nicht gerecht werden können. Gerade

in der Stadt ist häufig schon eine Mietwohnung für eine mehrköpfige Familie für einen

Normalverdiener kaum bezahlbar. Eine Metropolpolitik, die die Zusammenballung von immer

mehr Menschen auf engem Raum zum Ziel oder zumindest zur Folge hat, ist eine Ursache

dieser Fehlentwicklung.

100 000 Einwohner mehr in München in 15 Jahren werden die Mietpreise nicht sinken lassen.

Der dafür leerstehende Wohnraum in Teilen von Oberfranken hilft auch nicht weiter, weil dort

die Arbeitsplätze fehlen, Schulen geschlossen wurden und die medizinische Versorgung nicht

mehr gesichert ist. In der Stadt müssen meist beide Elternteile wegen der hohen

Lebenshaltungskosten arbeiten, haben aber Schwierigkeiten, die Kinder während ihrer

Abwesenheit betreuen zu lassen.

2. Familien entlasten

Betreuungseinrichtungen können das Einkommen einer Person beinahe wieder aufzehren.

Wir müssen soweit kommen, dass Kinderbetreuungseinrichtungen so gut wie kostenfrei

angeboten werden, genau wie die Schule. Was im benachbarten Ausland möglich ist, sollte

im wohlhabenden Bayern ebenfalls zum Standard gehören.

Als erster Schritt muss das letzte Kindergartenjahr kostenfrei gestellt werden – als

schulvorbereitendes Pflichtjahr unter der Zuständigkeit des Kultusministeriums. Zug um Zug

soll so die Kostenfreiheit dann nach unten fortgesetzt werden.

Es ist auch an der Zeit, auf das finanzielle Schicksal von Elternteilen hinzuweisen, die eine

gescheiterte Beziehung hinter sich haben. Es darf nicht sein, dass der Versuch einer

Familiengründung so stark sanktioniert wird, dass der zahlungspflichtige Elternteil finanziell

keinen Boden mehr unter die Füße bekommt, was die Gründung einer neuen Partnerschaft

schon von vorneherein schwer belastet.

Mehr gesamtgesellschaftliche Unterstützung für Eltern in Form kostenfreier Betreuungseinrichtungen

für ihre Kinder ist eine Möglichkeit, insgesamt mehr Mut zu Familie und

Kinderwunsch zu machen, da das Risiko für Leute mit Kinderwunsch überschaubar wird.

Schon der Ausdruck „Mut zu Kindern“ zeigt, dass man sich unter den derzeitigen

Rahmenbedingungen mit einem Kind auf ein Wagnis einlässt und fürchten muss, am Ende

mit der Situation nicht fertig zu werden. Hier muss die Solidargemeinschaft im eigenen

Interesse mehr Unterstützung leisten. Selbst die Steuerpolitik kann hierzu z.B. durch

Familiensplitting einen wichtigen Beitrag leisten.

Freie Wähler Bayern e.V. Seite 24 /24

3. Senioren in die Gesellschaft zurückholen

Auch für die Bürger im letzen Lebensabschnitt gilt es Verbesserungen herbeizuführen. Die

Erfahrungen und das Potential von rüstigen Senioren dürfen nicht brach liegen. Ob im

ehrenamtlichen, sozialen oder kommunalen Bereich – es gibt viele Tätigkeiten, bei denen wir

auf die Tatkraft und Erfahrungen der Generation 60+ noch mehr zurückgreifen müssen. Dies

gibt auch den Senioren wieder Lebensfreude zurück und das wertvolle Gefühl, gebraucht zu

werden. In jeder Natur belassenen Gesellschaft und auch in der Familie ist es

selbstverständlich, dass sich Menschen für das Gemeinwesen einbringen wollen, solange sie

das irgendwie können. Nur unsere moderne arbeitsteilige Welt glaubt, Menschen zu Beginn

des letzten Lebensdrittels trotz körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit aussortieren zu

müssen, um dann vor einer Rentnerschwemme zu warnen, die immer schwerer zu

finanzieren sei.

Es ist unverständlich, warum die Pflege eines Familienangehörigen zu Hause nur mit einem

Bruchteil der Summe honoriert wird, die für die Heimpflege abgerechnet wird. Ebenso ist es

eine Fehlentwicklung, dass Pflegekräfte, obwohl nicht sonderlich gut bezahlt, zu immer mehr

Leistung und Durchsatz angetrieben werden, wobei die individuelle Betreuung der

Pflegepersonen zunehmend auf der Strecke bleibt. Das darf in einer humanen Gesellschaft

nicht zwangsläufiges Schicksal am Ende des Berufs- und Steuerzahlerlebens sein!

Da Senioren immer weniger auf eine eigene Familie zurückgreifen können, müssen in Zukunft

Betreuungsnetzwerke für Senioren aufgebaut werden. Vielfach sind es nur einige kleine

Handreichungen, die täglich nötig sind, um die teure Heimunterbringung noch einige Jahre

hinauszuschieben. Es bietet sich an, hierzu sozial engagierte Mitmenschen, gerade auch

rüstige Senioren, aus dem näheren Umfeld zu vermitteln, die gegen anständige Bezahlung

die kleinen Dinge des Alltags erledigen helfen. Frühstück zubereiten, die Wohnung pflegen,

Einkäufe erledigen, etwas persönliche Ansprache. So braucht die eigene Wohnung, die

gewohnte Umgebung und Nachbarschaft noch nicht gegen einen Heimplatz getauscht zu

werden. Der Betreuer kann sich möglicherweise nacheinander um mehrere hilfsbedürftige

Personen kümmern, hat dadurch eine Aufgabe, kann verdienen oder sich die Rente

aufbessern und spart der Allgemeinheit noch einen beachtlichen Teil an Pflegekosten. Das

bringt Menschlichkeit in den letzten Lebensabschnitt zurück. Einfallsreichtum ist gefragt und

unbürokratische Lösungen müssen möglich gemacht werden. Das gelingt jedoch nur, wenn

man den Irrglauben ablegen kann, alles müsse hochoffiziell bürokratisch erfasst und

zertifiziert sein, wobei aber am Ende Papier und Realität oftmals nicht übereinstimmen.