Weiterer Praxisbericht zur Hauptschulsituation
- Bürokratismus: Der Formularstapel, den ein Betrieb für einen Lehrling bereits zu Beginn seiner Lehre ausfüllen muss, umfasst ca. 50 Seiten - inkl. der Hinweisblätter (Info: ein Schreinermeister) - wohl gemerkt bereits vor Ablauf der Probezeit! Vor 10 Jahren, waren es noch 12 Blätter - Wer will da noch freiwillig Lehrlinge ausbilden?
- erhöhte Standards: In vielen Berufen, die bisher für Quali-Abschlüsse zur Verfügung standen, haben die IHKs und Handwerkskammern in Zusammenarbeit mit den Berufsschulen die theoretischen Ansprüche so massiv erhöht, dass Hauptschüler/innen keine Chance mehr haben, die theoretische Gesellenprüfung zu schaffen. Bsp: Kfz-Mechaniker werden Stück für Stück durch Mechatroniker ersetzt. Am Flughafen München gibt es inzwischen im technischen Bereich so gut wie keinen Ausbildungsplatz für Hauptschüler mehr! Vor 10 Jahren haben noch Neuntklässer am Flughafen als Flugzeugmechaniker angefangen.
- Kommunen bieten kaum Quali-Arbeitsplätze: Im bürotechnischen Bereich - auch im Verwaltungsdienst der Kommunen - haben Hauptschüler bei der Bewerbung kaum mehr eine Chance.
- Nachhilfeunterricht in der Grundschule: Der Nachhilfeunterricht bereits für Drittklassler ist ein boomendes Gewerbe. Die Zuwachsraten liegen bei 75 - 300% im letzten und diesem Schuljahr. Einziges Ziel: Mein Kind muss mindestens den Realschulübertritt schaffen.
- Ausbeutung von Lehrern, ohne das System zu ändern: Freiwerdende Hauptschullehrer sollen angeblich an Realschulen eingesetzt werden - als Fachlehrer. Bei Hauptschulstundenmaß und Hauptschulbezahlung. Dass das möglich ist, sieht man an den zahlreichen Grundschullehrer/innen, die im letzten Jahr ohne Probleme in den 5. und 6. Klassen als Klassenleitungen eingesetzt wurden.
- Kunst - kein Thema mehr? Das G8 hat einige zusätzliche Arbeitslose produziert: Kunst ist kein Abi- und Leistungskursfach mehr. Reine Kunstfachlehrer (die die Akademie besuchten) auf Anstellungsbasis haben reihenweise Kündigungen erhalten. Was diese hochgebildeten, philosophisch bewanderten Menschen jetzt machen sollen, interessiert Herrn Schneider offensichtlich nicht. Aber diese Stunden werden der ethischen Bildung - und somit Erziehung! der Gymnasiasten fehlen. (Info: Kunstlehrerin, die glücklicherweise vorher Hauptschullehrerin war)