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22. September 2008
Näher am Wahnsinn statt näher am Menschen
FW-Landesvorsitzender Hubert Aiwanger ging bei einer Wahlkampfveranstaltung mit der CSU hart ins Gericht
ABENBERG (ley) – Er kam zwar leicht verspätet zur Wahlveranstaltung seiner Freien Wähler auf die Burg Abenberg, doch der Landesvorsitzende Hubert Aiwanger hätte trotzdem nicht symbolkräftiger einmarschieren können. Landtags- Listenkandidat Stefan Singer hatte gerade die CSU-Herrschaft in Bayern mit jener der Römer im Gallien verglichen, da erschien der Landeschef wie der rettende Asterix auf der Bildfläche.
Wie dieser war Aiwanger dann auch für eine Überraschung gut. Er wolle „Arbeitsplätze vernichten“, rief er in die zunächst erstaunte Runde von etwa 50 Besuchern. „Und zwar von CSU-Landespolitikern“, rief er sogleich hinterher. Die Mehrheitspartei habe sich in ihrer Politik „vergaloppiert“. Beispielsweise habe die seit Jahren anhaltende Privatisierungswelle im Freistaat dazu geführt, dass nun Strom und Wasser in die Hände von Monopolisten zu fallen drohten.
Überhaupt habe die Staatsregierung „nur noch Dollarzeichen in den Augen“, monierte Aiwanger, der so auch scharf mit der Landesbank ins Gericht ging. Sie habe durch hochriskante Spekulationen enorme Summen in den Sand gesetzt, während sie mit dem Verweis auf das hohe Risiko im Gegenzug kein Geld für den Mittelstand bereitgestellt habe. Da helfe nur noch eines: „Zurück zum gesunden Menschenverstand.“
„CSU hat die Hosen voll“
Und weg vom Schlingerkurs der CSU, für den er das Nichtrauchergesetz und die Pendlerpauschale als Beispiele anführte. Dass die Christsozialen sich derzeit gegen die 0,0-Promillegrenze sträuben, hält er indes für Taktieren vor der Wahl. Danach würde die Mehrheitspartei wieder „umfallen“, prognostizierte Aiwanger. „Die CSU hat die Hosen voll vor dieser Landtagswahl – und verspricht deswegen alles, was der Markt hergibt“, wurde er deutlich.
Dabei scheue sie auch nicht davor zurück, Wahlslogans einfach zu klauen. „Kleine Klassen – mehr Lehrer“, heißt etwa eine Forderung der Freien Wähler, die nun plötzlich auch seitens der Union erhoben werde, obwohl diese als alleinige Regierungspartei längst für die Umsetzung hätte sorgen können.
Aiwanger wurde nicht müde mit dem Aufzählen weiterer Ungereimtheiten der CSU, die nicht „näher am Menschen“ sei, wie auf ihren Wahlplakaten behauptet, sondern „näher am Wahnsinn“. Sie sei nicht mehr erneuerbar, plan- und konzeptlos und stehe neben der Realität. Der Bürger habe dies mit Vertrauensverlust quittiert und erkannt „dass etwas schief ist im Staate Bayern“.
In ähnliche Kerben wie der Landesvorsitzende schlugen in ihren Aussagen auch die Land- und Bezirkstagskandidaten der Freien Wähler im Landkreis. Der Gredinger Unternehmer Hermann Kratzer etwa, der über das Direktmandat ins Maximillianeum einziehen will. Dort angekommen, werde seine erste Frage dem Verbleib der neun Milliarden Steuermehreinnahmen gelten, machte er in Abenberg deutlich.
Der eingangs erwähnte Stefan Singer (FW-Listenkandidat für den Landtag) will sich als Arzt besonders gegen den „Komplettumbau unseres Gesundheitssystems“ stark machen, der dazu führe, dass für Haus- und Fachärzte auf dem Land bald kein Platz mehr sei.
„Schwachredner“
Kammersteins Bürgermeister Walter Schnell (FW-Direktkandidat für den Bezirkstag) schoss sich auf Schwabachs CSULandtagsabgeordneten Karl Freller ein. Der habe erklärt, die Freien Wähler würden hunderttausende Arbeitsplätze und die soziale Marktwirtschaft gefährden. „So ein Schwachredner“, erklärte Schnell entrüstet – und verwies auf die unternehmerischen Verdienste jener Freien Wähler, die im Landkreis politische Verantwortung tragen.
Damit meinte er unter anderem Büchenbachs Bürgermeister Helmut Bauz (FW-Listenkandidat für den Bezirkstag), der seinerseits dazu aufrief, „die Demokratie von unten zu erneuern.“ Diesbezüglich müsse es in Bayern zu einer Koalitionsregierung kommen, damit die CSU zur Diskussion mit anderen Parteien gezwungen werde.
Als Sahnehäubchen der Veranstaltung gesellte sich am Ende der „Konvertit“ Anton Nagel dazu. Er war, wie berichtet, nach 40 Jahren Mitgliedschaft aus der CSU ausgetreten und ist nun in den Reihen der Freien Wähler aktiv, bei denen er sich sehr wohl fühle, sagte er.
Man sei also von der CSU heilbar, resümierte am Ende der Moderator des Abends, Udo Rathfelder.



