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17. Februar 2008
Freie Wähler fordern die Erhaltung der kommunalen Wasserversorgung
Trinkwasserversorgung nicht dem Kommerz opfern
Roth (jr) - Mit dem Zauberwort der „Privatisierung“ versuchen die Parteien seit mehreren Jahren als schnelle Lösung kostenintensive kommunale Leistungen auf die Gewinnerstraße zu bringen und haben dies beim Strommarkt schon durchgezogen. Der Erfolg ist zwiespältig: Für kommunale Stromunternehmen und direkte Kunden der großen Stromkonzerne sind die Kosten seitdem ständig gestiegen. Jetzt haben die Parteien die Wasserversorgung im Visier, für die Freien Wähler im Landkreis Roth ein Alarmsignal, gegen das sie Zeichen setzen wollen.
„Wasser ist ein lebenswichtiges Gut mit natürlichem und begrenztem Vorkommen, schon allein deswegen ist es keine Handelsware, die transport- und lagerfähig ist oder auf Bedarf nachproduziert werden kann“ verurteilt stellvertretender Landrat und Bürgermeister Walter Schnell die Pläne der Parteien auf Landes- und Bundesebene, die kommunale Wasserversorgung wie beim bereits abgewickelten Strommarkt zu privatisieren und die Wasserversorgung durch private Unternehmen neu zu organisieren. „Die Wasserqualität in Bayern ist dank der bisherigen großen Verantwortung erstklassig und garantiert eine hohe Versorgungssicherheit“ ergänzt er die Vorteile der jetzigen Versorgungsform.
Dabei lehnen die Freien Wähler keineswegs eine generelle Wettbewerbssituation ab. „Unsere kommunalen Wasserversorgungsbetriebe stehen untereinander in einem ständigen Preis- und Qualitätswettbewerb“ bestätigt Bürgermeister Thomas Schneider. Zugleich prophezeit er, daß der Wettbewerb wie bei der jetzt auf rein wirtschaftlichen Erfolg bauenden Liberalisierung zu Verhältnissen führen wird wie in England, wo die Liberalisierung der Wasserversorgung zum Abbau von Arbeitsplätzen geführt hat, zum Verlust von Fachwissen, zur Verschlechterung der Trinkwasserqualität und zur Vernachlässigung der technischen Anlagen.
Statt kommunaler Eigenverantwortung droht staatliche „Bundeswasserbehörde“
Dr. Reinhard Spörl ergänzt aus eigener Erfahrung beim Landwirtschaftsamt Roth, wie sich die Liberalisierung auch auf den Verwaltungsbedarf auswirken kann: „Es wird nicht mehr die kleinen und eigenverantwortlichen mittelständischen gemeindlichen Wasserwerke geben, sondern zur Kontrolle und gesetzlichen Regelung für wenige deutschlandweite Wasserversorgungskonzerne als sprichwörtlichen Wasserkopf eine Bundeswasserbehörde“. Als vernünftige Alternative dazu sieht Bürgermeister Helmut Bauz die ständigen Modernisierungs- und Kooperationsbemühungen der kommunalen Wasserversorger, um vor allem für die Bürger ihrer Gemeinden und Städte Qualitätsarbeit zu leisten.
Als Vorteil der bisherigen kommunalen Wasserversorgung wertet Werner Winter die Tatsache, daß bei der kommunalen Wasserversorgung die Kunden nur für die Selbstkosten zum Erhalt des gemeindlichen Versorgungsnetzes aufkommen müssen, während die Konzerne als sichere Gewinner einer Liberalisierung nur auf steigende eigene Gewinne achten und das Kapital wohl kaum für vorausschauende Kosten beim Unterhalt des Versorgungsnetzes verwenden werden. „Was an Wasserreinlichkeit fürs bayerische Bier gerade gut ist, muß auch fürs bayerische Wasser billig und recht sein“ resümiert daher Kreisrat Fritz Loy als Landwirt, warum die Freien Wähler im Landkreis Roth die Wasserliberalisierung ablehnen.



