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10. Juli 2008
Freie Wähler im Landkreis Roth zur misslungenen bayerischen Bildungspolitik
„Die Staatsregierung verkauft Flickwerk im bayerischen Schulwesen als großen Wurf der Zukunft!“
Roth (jr) - Als „Flickwerk, bei dem sich für jedes geschlossene Loch zwei neue auftun“ beschrieb Walter Schnell als Kreisvorsitzender der Freien Wähler im Landkreis Roth prägnant die aktuellen Maßnahmen der staatlichen Bildungspolitik, wobei dieses Thema mit der Kernaussage der Freien Wähler „Kleinere Klassen und mehr Lehrer“ einer der Schwerpunkte war beim letzten Treffen des FW-Kreisverbands in Roth-Pfaffenhofen.
Die Analyse der bayerischen Bildungspolitik eröffnete FW-Kreisvorsitzender Walter Schnell, als er die Problematik der wohnortnahen Schulen im Landkreis aufgriff und an mehreren Beispielen die kuriosen Folgen von Schulschließungen und Verlagerungen ganzer Klassen durch Schulzusammenlegung für die Bevölkerung nannte, deren Kinder jetzt teilweise bis zu einer Stunde quer durch den Landkreis zu ihrer Schule fahren müssen. Und im Hinblick auf die Lehrerknappheit vieler Fachschulen ergänzte Michael Schmitz, dass frisch ausgebildete Fachlehrer teilweise völlig fehlen.
Als Schulleiter bilanzierte Peter Weidner ironisch, daß die „bayerische Staatsregierung noch nicht einmal ihre Wahlversprechen von 2003 betreffs besserer Bildungschancen eingelöst hat, was in der Medizin mit fortgeschrittenen Demenzerscheinungen vergleichbar wäre.“ Als Beispiel für die unausgereiften Schnellschüsse als Antwort auf neue Probleme nannte er die Zahl der Unterrichtsstunden beim achtjährigen Gymnasium: „Wegen zu hohen Leistungsdrucks auf die Schüler wurden jetzt sechs Wochenstunden teilweise in Kernfächern weggelassen und zugleich werden diese Stunden jetzt als empfohlene Wahlfachstunden wieder drangehängt.“
Gemeinden müssen idealisierte „Ganztagesschule“ finanziell alleine ausbaden
Hermann Kratzer kritisierte als Gredinger Stadt- und Kreisrat sowie als FW-Landtagskandidat beim System der „Ganztagesschule“ die fehlenden staatlichen Finanzierungshilfen und fragte in die Runde „Warum sollen wir in vorausschauendem Gehorsam Ganztagesschulen einrichten, wenn unsere Gemeinden vom Freistaat keine Finanzhilfe erhalten und die nötigen Fördermaßnahmen aus dem Gemeindesäckel bezahlen sollen?“. Als konkretes Beispiel ergänzte Jörg Ruthrof diesen Aspekt mit den Problemen, die derzeit die Gemeinde Wendelstein mit ihrer Hauptschule bei der Umsetzung und Einrichtung eines „Ganztageszuges“ beschäftigen.
„Mein Enkel hat heute als Fünftklässler ein Lernpensum, das meine Kinder erst in der 10. Klasse am Gymnasium hatten. Und die Kinder dann für Freizeittätigkeiten oder eine Sportart im Verein gewinnen zu wollen ist völlig sinnlos bei dem Leistungsdruck“ gab Edith Popp als ehrenamtliche Übungsleiterin in Rohr als weiteren Aspekt zu bedenken. Daß zudem der Leistungsdruck nicht immer positive Entwicklungen bei den Kindern zur Folge hat, führte ergänzend Hermann Kratzer ins Feld und nannte als negative Folgen für die regionale Wirtschaft, wenn durch Schulabbrecher oder schlechte Abschlußnoten dem Mittelstand zukünftige Arbeitskräfte fehlen.
Gesellschaftliche Bindungen brechen weg
„Ob längere Schulzeiten, der höhere Leistungsdruck oder der bei den letzten Reformen vernachlässigte soziale Aspekt bei der Entwicklung der Kinder, insgesamt arbeitet die keineswegs bis zum Kind als letztes Glied der Kette durchdachte Reformmaschine gegen ein kindgerechtes Bildungsziel“ sah auch Walter Schnell als große Gefahr für den gesellschaftlichen wie familiären Zusammenhalt im ländlichen Bereich. Seit Jahren, so monierte er, hat die Staatsregierung für eine bessere Bildungspolitik kein durchdachtes Gesamtkonzept und verspricht auch jetzt wieder schnell vor der Wahl vieles aus der hohlen Hand und ohne Finanzierungssicherheit.
„Wir Freien Wähler sehen in der qualifizierten Ausbildung neuer Lehrkräfte ebenso einen guten Ansatz wie in der Garantie, dass die fertigen Junglehrer auch später in ihrem Beruf unterkommen. Warum wollen nur noch wenige Lehrer werden? Weil sie langfristig nur wenig Chancen sehen, in ihrem erlernten Beruf auch arbeiten zu können und sich ihr Berufsbild durch die permanenten und sprunghaften Reformen immer wieder unvorhersehbar ändert. “ fasste er die Ziele der Bildungspolitik der FW zusammen und sah vor allem in der Verkleinerung der Klassen einen wichtigen Ansatz, daß gesellschaftliche Werte wie soziales Verhalten und gemeinsames Arbeiten wieder Platz bekommen im Alltag unserer bayerischen Schulklassen.



