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13. Februar 2007

Parteiengespräch Bund Naturschutz - Freie Wähler

Die Auswirkungen der Gentechnik, die "Fränkische Landschau" und die zunehmende Auszehrung des ländlichen Raumes standen im Mittelpunkt des offenen Dialogs zwischen den Kreisverantwortlichen des Bund Naturschutz und der Freien Wähler.

Nach der Begrüßung durch die Kreisvorsitzenden Michael Stöhr (Bund Naturschutz-) und Walter Schnell (Freie Wähler) führte Katja Ammon vom Bund Naturschutz aus Rednitzhembach in das zentrale Thema des Abends, die "Grüne Gentechnik", ein.  

Die sogenannte Grüne Gentechnik sei die Gentechnik in der Landwirtschaft und in Lebensmitteln. Genetische Informationen würden per Zufallsprinzip - etwa durch den Beschuss von Pflanzenzellen mit Metallkügelchen, auf denen Erbmaterial haftet - übertragen. Im Gegensatz zur normalen Züchtung geschehe hier eine Übertragung von Erbmaterial über Artgrenzen hinweg. So könne man etwa Fischgene in Pflanzen einbauen, mit unbekannten Auswirkungen auf die komplexen Wechselwirkungen des Erbmaterials und des Stoffwechsels.  

Marktgemeinderat Peter Weidner aus Schwanstetten erläuterte forschungsfreundliche und forschungsfeindliche Ansätze in der Biotechnik. Auf seine Nachfrage, warum  Fischgene in Pflanzen schlecht seien, führte Michael Stöhr aus, dass man nicht wisse, wie Fremdgene in einem Organismus wirken.   Katja Ammon erläuterte weiter, dass es beim Menschen erhebliche Gesundheitsrisiken gebe, durch veränderte Stoffwechselprodukte, durch mögliche Antibiotika-Resistenzen und erhöhte Allergierisiken. "Es gibt auch keine unabhängigen Fütterungsversuche", sagte Michael Stöhr. So könne man nicht herausfinden, wie gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel auf Mensch und Tier wirken. Freilandversuche dagegen brauche man bei uns nicht mehr, da in Nord- und Südamerika seit mehreren Jahren kommerzieller Anbau betrieben werde, dort habe man also ein großes Freilandlabor.  

Bürgermeister Walter Schnell und Kreis- und Stadtrat Dr. Reinhard Spörl aus Heideck sehen bei der Landwirtschaft die große Gefahr in der Abhängigkeit von den großen Konzernen.  Hans Beer vom Bund Naturschutz aus Heideck berichtete von Kanada, das mit Gentechnikpflanzen verseucht sei. Dort sei zum Beispiel der Anbau von gentechnikfreiem Raps eingestellt worden, da man die Kontaminierung über den allgegenwärtigen Pollen des Gentechnikrapses nicht verhindern konnte.   Daran sehe man auch, dass es eine Koexistenz, also das Nebeneinander von Gentechnikanbau und gentechnikfreien Pflanzen nicht geben könne. Beer: "Der Gentechnikkonzern Monsanto geht in Kanada soweit, dass er Felder untersuchen lässt, ob in den Pflanzen dort konzerneigenes Genmaterial vorhanden ist. Wenn etwas gefunden wird, verlangt die Firma Lizenzgebühr von dem Bauern, auch wenn dieser gar kein Gentechnik-Saatgut verwendet hat". Auch für Insekten sei die Gentechnik sehr gefährlich, So gebe es in den USA weite Landstriche, die praktisch bienenfrei sind. Solche Praktiken führten, so Walter Schnell, in eine neue Form der Leibeigenschaft für Bauern.   Die Handlungsmöglichkeiten der Kommunen wurden intensiv diskutiert. Auf die Frage von Peter Weidner  sagte Walter Schnell: "Die Kommunen können beispielsweise ihre Flächen verpachten mit dem vertraglichen Zusatz, dass keine Gentechnik eingesetzt werden darf".  Durch sachgerechte Information und Aufklärung könnten Kommunen und Behörden auf mögliche Gefahren hinweisen. Alfred Zottmann aus Spalt, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Kreistag, erklärte, dass er das Thema in die Arbeit der Kreistagsfraktion einbringen werde.   Peter Weidner wunderte sich, was sich die Anbauer von der Gentechnik versprechen? "Die Bauern glauben der Propaganda der Konzerne", antwortete Michael Stöhr "und machen sich so zu Leibeigenen".  

Wie Marktgemeinderat Werner Winter aus Wendelstein, stv. Landesvorsitzender der Freien Wähler, mitteilte, ist der Landesverband der Freien Wähler strikt gegen den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen.  Die Freien Wähler wollten die Landwirte unterstützen. Für die Freien Wähler sei klar, dass der gentechnikfreie Weg der bessere sei. Deshalb müsse man mit den Bauern reden. Er habe auch Bedenken, so Werner Winter weiter, dass von Gentechnikfirmen möglicherweise Gelder an Entscheidungsträger fließen. Werner Winter und Walter Schnell regten für den Landkreis Roth eine gentechnikfreie Zone an. Walter Schnell führte dazu aus, dass in weiten Teilen der heimischen Landwirtschaft diese Sichtweise geteilt werde.   Eine große Gefahr gehe auch von Futtermischungen aus, sagte dazu Michael Stöhr. Diese seien meist mit Soja und Mais aus Gentechnik-Anbau hergestellt. Es sei aber kein Problem, gentechnikfreie Futtermittel herzustellen, die Landwirte müssen es nur verlangen. Die Bauern laufen sonst Gefahr, dass sie ihre Produkte nicht mehr verkaufen können.   Hans Beer hat eigene Erfahrungen mit Hühnerfutter, das Gentechnik enthält, gemacht. Für ihn ist es wichtig, dass unsere Futtermittelhändler kein Futter mit Soja mehr anbieten und verkaufen. Auch der regionalbewusste Verbraucher könne mit gezielten Nachfragen Gentechnik verhindern. Die Ablehnung muss von der Basis kommen. Auf die Frage von Elisabeth Bieber von den Freien Wählern aus Roth, ob denn gentechnikfreies Futter teuerer sei, antwortete Hans Beer: "Wenn überhaupt, dann nur im Centbereich!" Für Peter Weidner ist der Landkreis Neumarkt als gentechnikfreie Zone ein Vorbild auch für unseren Landkreis.  

Zum Abschluss führte Michael Stöhr aus, dass im Moment die Haftungsregeln den großflächigen Anbau erschweren. Die Haftungsregeln sollen allerdings von der Bundesregierung und dem zuständigen Fachminister Seehofer aufgeweicht werden.

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