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13. August 2007

Monsanto und ihre gentechnische Horrorvisionen

Freie Wählerschaft Wendelstein bot Informationen über die Gentechnik

Wendelstein (jr) - Fast täglich ist von neuen Problemen und aktuellen Urteilen zur Gentechnik zu hören und zu lesen und doch kamen nur knapp 40 Zuhörer zur Informationsveranstaltung der Freien Wähler Wendelstein zusammen mit dem Bund Naturschutz. Für die Anwesenden wurde es ein informativer Abend mit garantiertem Gruseleffekt, als es um den amerikanischen Gentechnik-Riesen „Monsanto“ und dessen Streben nach absoluter Lebensmittelkontrolle durch Sicherung von Lebensmittelpatenten ging.              

Nach der Begrüßung informierte Wendelsteins neuer FW-Vorsitzender Werner Winter über den von der FW-Fraktion eingebrachten Wendelsteiner Gemeinderatsbeschluß, auf den gemeindeeigenen Grün- und Nutzflächen gentechnisch veränderte Pflanzen und Produkte zu verbieten und stellte kurz BN-Kreisvorsitzenden Michael Stöhr als fachkundigen Referenten vor. Zur Einstimmung auf die generelle Problematik „Gentechnik“ erläuterte Stöhr zuerst die biochemischen Grundlagen der Genomforschung bei Mensch und Tier mit dem Fazit „Wir haben heute zwar die DNA entschlüsselt, aber die Gene als Grundlebensform noch lange nicht verstanden“.  

Kritisch wertete er als Übergang zum Thema „Grüne Gentechnik“ die Laborversuche, Pflanzen-DNA mit tierischen Genen zu kreuzen, um für bestimmte Anbauzonen der Welt oder gegen biologische Schadbilder optimierte Neuzüchtungen zu erreichen. „Mit den Anfängen der grünen Gentechnik im Labor wurden Grenzen übersprungen, deren Folgen bis heute unübersehbar sind“ bilanzierte er; zugleich wertete er es als „indirekten Mordversuch“ an der Menschheit als Versuchskaninchen, nach den Laborversuchen die Versuchsreihen im Freiland fortzusetzen und vor allem auch noch großflächig auszudehnen.   

„Monsanto“ als Monopolist mit Anspruch auf totale Kontrolle des Lebensmittelmarkts

Nach diesem Vortragsabschnitt ging Michael Stöhr vor allem auf die Rolle der amerikanischen Firma „Monsanto“ und ihre Monopolstellung bei der Gentechnik ein. Zunächst war mit der Weiterentwicklung der Industriechemie nach 1900 die Entwicklung von Schädlingsgiften die Hauptarbeit von Monsanto. Nach einer Umstrukturierung hat die Firma vor Jahren den Gentechnik-Markt entdeckt und sich durch ihre Forschung mit gleichzeitiger Patentierung der Ergebnisse ein Monopol mit 80 % aller zugelassenen Patente im Lebensmittelsektor gesichert mit dem Ziel, diesen Markt mit ihren Produkten und Patenten zu kontrollieren.

Gegen den Schädlingsbefall hat Monsanto als Beispiel schon vor Jahren beim Mais das Präparat „Mon 810 PT“ entwickelt. Wurde zunächst der Schädlingsbefall direkt durch Ausbringen gestoppt, „optimierten“ später die Monsanto-Forscher, die Mais-Gene mit den Substanzen ihres Präparates durch Genkreuzung - als „widerstandsfähigere“ Neuzüchtung entstand der „PT-Mais“ mit Patentschutz. Schädlinge bringen den Genmix in die Erde ein oder „versorgen“ als Nahrung im Rahmen der Ernährungskette andere Tierarten damit, was schon jetzt in der Tierwelt für nachweisbare Genveränderungen und Schädigungen gesorgt hat.

Mit dem Patent ist auch viel Geld verbunden

Unwissentlich sorgen auch Wildpflanzen und Nutztiere wie z.B. Bienen für den Weitertransport  dieser veränderten Getreide-Gene auf andere Felder und in ihre eigenen Produkte. „PT-Mais oder Gen-Raps ist insofern eine Giftfabrik auf dem Acker und ein Goldesel für Monsanto“ erstaunte Stöhr die Zuhörer und erklärte detailliert die Zusammenhänge. Mit dem Patent ist der Schutz und die reguläre, mit dem Kauf nachweisbare Verwendung verbunden, ansonsten müssen Bauern für „illegalen Anbau“ von PT-Mais empfindliche Lizenzgebühren an Monsanto zahlen. Und hier reichen tierische Transportwege aus, um einen Bauern ungewollt zu treffen.

„Stellen Monsanto-Mitarbeiter bei Kontrollen der Felder fest, daß ihre Produkte verwendet wurden, ohne daß der Bauer den Nachweis bringen kann, diese im Handel gekauft zu haben, gilt er als Betrüger und wird von der Firma auf Lizenzgelder wegen des Patentschutzes verklagt. In den USA haben so schon hunderte von Farmern ihr Vermögen und Land verloren“ schilderte er drastisch die Folgen dieser ungewollten und ungeplanten Patentverletzung.

„Mischen sich zudem wild wachsende und regulär angebaute Getreidesorten wie etwa der Raps, können die „wilden Verwandten“ bei natürlicher Kreuzung gegen das Gift resistent werden, neue Gifte müssen dagegen entwickelt werden und so steigt eher der dauerhafte Gifteinsatz als daß er zurückgeht“ blickte Michael Stöhr skeptisch in die Zukunft. Damit sah er auch für die 3.Welt, zu deren Versorgungsstabilisierung die USA vor allem nach eigener Aussage solche Genforschungen fördern, eher eine noch größere Abhängigkeit als eine Besserung.

Schweinegene als Patent und Tipps für die Verbraucher

Monsantos neueste Patentidee, in einem Filmbeitrag vorgestellt, zeigte die Perfidität des Firmendenkens mehr als deutlich: Bei der Erforschung der Gene von Hausschweinen hat die Firma einige für den Lebensmittelsektor vorteilhafte Gengruppen entdeckt und hierfür international ein Patent auf dessen Schutz und Züchtung beantragt. Für deutsche Bauern, die seit jeher Schweine mit dieser Gengruppe halten und züchten, hätte dies schlimme Folgen: Bekäme Monsanto in Deutschland das Patentrecht, müssten sie für ihre Zucht und jedes neugeborene Ferkel Lizenzgeld an die Firma in den USA bzw. deren deutsche Generalvertretung zahlen. 

Nach diesem Schock beschloß Michael Stöhr seinen Vortrag mit Tipps, um sich bei Lebensmitteln vor gentechnisch veränderten Produkten zu schützen, obgleich auch die EU schon an einer Lockerung arbeite, um die Kennzeichnung von Lebensmitteln aus gentechnisch veränderten Produkten vermeiden zu können. Da in Deutschland das Verursacherprinzip gilt, ist es immer noch bedenkenlos, beim Biobauern einzukaufen, da diese für die Qualität und Produktangaben ihrer Lebensmittel haften und daher schon von selbst auf Qualität streng achten.

Initiative der Gemeinden gegen die Gentechnik ein richtiger Anfang

Für die Bauern gibt es Listen mit Betrieben, die garantiert gentechnikfreies Saat- und Futtergut anbieten wie etwa im Landkreis Roth die Winklermühle in Gustenfelden und der „Agrarhandel Streidel“ in Heideck. Die Initiative der Gemeinden im Landkreis und vom Landkreis selbst, auf ihren kommunalen Grün- und Nutzflächen keine gentechnisch veränderten Produkte anzubauen oder zu verwenden nannte er ein richtiges Zeichen, das aber noch bis zu jedem Bauern und Landbesitzer durchdringen müsste. „Erst dann können wir sagen, in einem gentechnikfreien Landkreis Roth leben zu können.“

Für den alltäglichen Einkauf, wenn kein Biobauer in der Nähe ist, empfahl Stöhr, sich im Vorfeld über die Kennzeichnungen gentechnisch veränderter Lebensmittel zu informieren und auf diese beim Einkauf soweit möglich zu verzichten oder bei unklarer Formulierung im Geschäft direkt nachzufragen. Dem Schlussfazit „Der Gentechnikeinsatz ist ein Lotteriespiel mit der Zukunft“ folgte eine intensive Diskussion, die zeigte, daß das allgemeine Wissen über die Gentechnik bei vielen noch oberflächlich ist und der Vortrag neben dem Bewußtsein über die Gefahren auch bei vielen danach ein wesentlich kritischeres Denken hinterließ.                                  

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