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Fraktionssitzung März 2018

Bild: Peter Tretter erläutert an den Forst-Karten die Problemfelder denen sich unsere Bäume ausgesetzt sehen. Vlnr. Dr. Reinhard Spörl, Fritz Loy, Hermann Kratzer, Manfred Preischl, Werner Wolf, Elisabeth Bieber, Peter Tretter

Immer mehr Kiefern sterben in unserer Region ab, bei Fichten wird eine Borkenkäferplage mit großen Schäden befürchtet und mehr und mehr Baumarten, nach der Kastanie nun auch die Esche, leiden an gefährlichen Krankheiten.  Landwirtschaftliche Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat oder Neonikotinoide sind ins Gerede gekommen. Für Vieles wird pauschal die Land- und Forstwirtschaft verantwortlich gemacht. Dadurch sehen sich die landwirtschaftlichen Familien zwischen den Vorstellungen der Kunden, den Preisvorgaben der Lebensmittelkonzerne und den eigenen wirtschaftlichen Zwängen zermahlen.

Grund genug für die Fraktion der FREIEN WÄHLER im Kreistag Roth, sich von sachkundiger Stelle beraten zu lassen. Und so fand die jüngste Fraktionssitzung im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Roth statt.  Der Chef des Landwirtschaftsamtes Werner Wolf führte zusammen mit seinem Mitarbeiter Peter Tretter die FW-Kreisräte zunächst durch das Haus. Der erste Teil der Sitzung wurde durch das Thema Wald geprägt.  FW-Kreisrat und Gredings Bürgermeister Manfred Preischl interessierte sich vor allem für die Zukunft der Wälder in unserem Raum. Hier konnte Peter Tretter fachkundig Antwort geben. Die Kiefer komme zwar gut mit der Trockenheit zurecht, aber die hohen Temperaturen würden ihr massiv zu schaffen machen. Durch die Klimaerwärmung werden daher langfristig kaum mehr Standorte im Landkreis verbleiben, an denen die Kiefer gesund gedeihen könne. Auf die Frage des Gredinger Schreinermeisters Hermann Kratzer, was denn dann der Baum der Zukunft sei, kam eine klare und kurze Antwort vom Forstexperten: „die deutsche Eiche“. Sie eigne sich als Bauholz, komme gut mit den zu erwartenden klimatischen Verhältnissen zurecht und habe sich auch gut an die Bodenverhältnisse angepasst.

Interessant zu erfahren war, dass Baumarten, die seit über hundert Jahren in Deutschland wachsen, offiziell nicht als einheimisch angesehen werden. FW-Kreisrat Dr. Reinhard Spörl aus Heideck nannte hierzu die Roßkastanie. Offenbar wird hier in anderen Zeiträumen gedacht, als dies in unserer kurzlebigen Welt üblich zu sein scheint. Der zweite Teil des Abends gehörte dann dem Thema Landwirtschaft. Röttenbachs Bürgermeister Thomas Schneider brach eine Lanze für die heimischen Landwirte. Sie produzieren hervorragende Lebensmittel und erfüllen gerne alle Qualitätsvorgaben der Verbraucher, wenn die Verbraucher auch bereit wären, die dann anfallenden Kosten zu tragen. Leider würden die hochwertigen Lebensmittel unserer Landwirtschaft häufig gering geschätzt, weil sie immer vorhanden seien. Werner Wolf konnte dies bestätigen. Neben den wirtschaftlichen Zwängen sähen sich die bäuerlichen Familien häufig mit unangemessenen Vorwürfen konfrontiert. Wer heute bereit ist, im Bereich Milchviehhaltung zu investieren, müsse sehr aufpassen, dass er nicht in ein Hamsterrad gerate, aus dem es kein Entrinnen mehr gäbe. Dies hat dann aber Konsequenzen für die ganze Familie. Fritz Loy, selbst Landwirt aus Thalmässing, brachte ein, dass die modernen Fahrzeuge der Landwirte mitunter Probleme – zum Beispiel - im Straßenverkehr brächten und das führe natürlich nicht zu einem guten Image. Der Fraktionssprecher Thomas Schneider fügte hinzu, die Landwirte hätten zum großen Teil ein positiveres Image verdient. Dies komme aber nicht von selbst und permanentes Jammern würde hier auch nicht helfen. Er wünschte sich vielmehr, dass die Landwirte und deren Berufsorganisationen sich aus der gefühlten Opferrolle befreien könnten und proaktiv das vorstellen würden, was sie in Wahrheit sind: Die Garanten der Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Nahrungsmitteln und Landschaftspfleger, ohne die unsere Flur ganz anders aussehen würde. Elisabeth Bieber sprach die Neiddebatte an, die immer wieder aufflammt, wenn Zahlungen veröffentlicht werden und die Bevölkerung das Gefühl hat, die Bauern bekämen etwas umsonst. Hermann Kratzer hingegen bat, auch von Seiten des Amtes über die Regierung darauf hinzuwirken, dass die Dörfer nicht vergessen werden. Mit einem klaren Statement schloss Werner Wolf die Diskussionsrunde ab. Provokant fragte er „Dürfen sich die Bauern im Dorf noch heimisch fühlen, oder muss jeder Landwirt aus dem Dorf heraus, wenn er noch arbeiten möchte?“ Der Druck auf die landwirtschaftlichen Familien sei enorm. Finanzielle Probleme und der gesellschaftliche Druck setzten den Generationen stark zu. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sei keine Lobbyorganisation der Bauern, sondern eine Behörde. Aber er sehe in seiner langen Tätigkeit schon viele Probleme, vor denen die Landwirte heute stünden, für die sie eigentlich nichts könnten. Fraktionssprecher Thomas Schneider bedankte sich bei Werner Wolf und Peter Tretter mit einem Präsent aus der Region. Viele neue Impulse seien in dieser Sitzung aufgetaucht, die es zu beachten gebe. Leicht haben es die Landwirte heute nicht, auch wenn die wirtschaftliche Lage schon schlechter war.