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17. März 2009

Abschied zur richtigen Zeit

WALTER SCHNELL

Walter Schnell gab gestern Abend FW-Kreisvorsitz ab

LANDKREIS ROTH — Nach 24 Jahren als Vorsitzender des Rother Kreisverbands der Freien Wähler wurde Walter Schnell gestern Abend ver­abschiedet. Auf eigenem Wunsch kandi­dierte der Kammersteiner nicht mehr. Seine per­sönliche und politische Bilanz fällt positiv aus.

Herr Schnell, Sie haben 1985 die Freien Wähler im Landkreis übernommen. Jetzt liegt die Verantwortung bei Hermann Kratzer. Haben Sie ihm ein gut bestelltes Haus überlassen?  

Schnell: Ich denke ja. Der Rother Kreisverband gilt landesweit als Vorzeigeorganisation. Das war nicht immer so. In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten ist viel passiert. Wo standen die Freien Wähler zu Beginn ihrer Amtszeit, wo stehen sie jetzt?“ Schnell: Ich kam in einer Zeit des politischen Aufbaus. Und gehe in einer Zeit, in der die Freien Wähler hier im Landkreis eine starke politische Kraft sind. Das lässt sich auch an nackten Zahlen festmachen. 1985 hatten wir acht Ortsverbände, sechs Kreisräte, einen Bürgermeister und waren in zwölf Gemeinderäten vertreten; heute gibt es 14 Ortsverbände, haben wir 13 Kreisräte, stellen vier Bürgermeister und sind in allen Gemeinderäten des Landkreises vertreten. Und der Kreisverband ist von 290 auf jetzt 652 Mitglieder gewachsen.

Das klingt nach einem zufriede­nen Ex-Kreisvorsitzenden.  

Schnell: Ich glaube, ich könnte den Kreisverband in keinem besseren Zustand übergeben. Auch wenn ich da und dort noch ein paar Defizite sehe. Beispielsweise? Schnell: Wir müssen lernen, uns besser darzustellen. Das gehört in der Politik einfach dazu. Und wir müssen unsere Kommunikation zwischen den verschiedenen Ebenen verbessern.

Sie sprechen die verschiedenen Ebenen an: Ihre Gruppierung strebt nach Höherem, will nun nach Erfolgen auf Bezirks- und Landesebene auch in den Bundestag und ins Europaparlament. Wird damit nicht die eigentliche Idee der Freien Wähler, nämlich mit und für die Basis politisch zu arbeiten, ad absurdum geführt?

Schnell: Ich muss zugeben, diese Entwicklung ist eine Gratwanderung, die auch ich kritisch sehe. Vor allem vor dem Hintergrund, dass unsere Leute kaum Zeit haben, in diese Verantwortung auf höheren politischen Ebenen hinein zu wachsen. Andererseits wollen die Bürger unser Engagement außerhalb der kom­munalen Ebenen, nachdem wir hier bereits bewiesen haben, dass wir etwas bewegen können. Und viele das den etablierten Parteien nicht mehr zutrauen. Darüber hinaus brauchen wir in dieser Zeit globales Denken. Die politisch noch weit verbreiteten Hasengartenstrukturen haben ausgedient. Die Wirtschaft inte­ressiert keine Grenzen. So gesehen macht die Kandidatur auf Bundes- und Europaebene Sinn.

Sie selbst wollen sich auf die Arbeit auf Bezirksebene konzentrieren. Das war Ihre Begründung, warum Sie in diesem Jahr nicht mehr für den Kreisvorsitz kandidierten.  

Schnell: Ich denke, dass ich mit meiner inzwischen langjährigen kommunalpolitischen Erfahrung viel in der für uns Freien Wähler noch ziemlich neuen Arbeit im Bezirk bewegen kann. Dafür brauche ich mehr Zeit und Energie als bisher. Darüber hinaus halte ich einen Wechsel an der Spitze nach 24 Jahren auch für sinnvoll. Als Bürgermeister, Kreis- und Bezirksrat und als Beisitzer im FW-Kreisvorstand mische ich im Landkreis ja weiterhin mit. Politik lebt von neuen Ideen.

Ich glaube, ich habe die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit getroffen.

Interview: CLAUDIA WEINIG, RHV