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Informationsfahrt „Erneuerbare Energien“

 

HERSBRUCKER LAND (gz) - Mit einer ganztägigen Busfahrt luden die Freien Wähler Interessierte dazu ein, Projekte mit erneuerbaren Energien im Hersbrucker Land kennenzulernen. Es ging zum Windrad bei Kucha, zum Biogas bei Fürnried und zum Biomasse-Heizwerk in Sulzbach-Rosenberg. Das Interesse war groß.

Ein großer Reisebus reichte nicht aus, so dass Landrat Armin Kroder, Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg und etliche weitere Neugierige mit einigen Pkw hinterherfahren mussten. Dabei war zumindest die erste Station, die Windkraftanlage in Kucha, keine Neuentdeckung mehr. Sie dreht ihre Rotoren seit fünf Jahren, das benachbarte Windrad in Eismannsberg steht sogar noch länger - und wird von den Anwohnern genauestens beäugt. Warum die Flügel in Eismannsberg öfter stillstehen, wollte da einer von Jura-Energie-Geschäftsführer Ludwig Fürst wissen. Der hatte auf der Kuchaer Anhöhe nicht nur kräftigen Morgenwind im Nebelwetter mitgebracht, sondern auch kundige Antworten. Eismannsberg, von der Firma Pfleiderer aus Neumarkt gebaut, gilt als Pilotprojekt, an dem öfters testweise Komponenten verändert werden. Die Kuchaer Anlage hingegen hat weniger Wartungszeiten, liefert 3 Millionen Kilowattstunden im Jahr und kann so 1000 Haushalte versorgen.

Warum drehen sich die Flügel des Windrades so langsam, haben wir nicht genug Wind auf der Anhöhe? Der Eindruck täuscht, versichert Fürst. Das Rad dreht sich zwar höchstens 14 Mal in der Minute, aber wie beim Fahrrad im hohen Gang wird mit dem langsamen Drehen gleichwohl viel Energie erzeugt. Auffällig schon beim ersten Termin dieses Erkundungstages, den der Kreisvorsitzende der Freien, der Hartensteiner Bürgermeister Werner Wolter, zusammengestellt hatte: Das Publikum - überwiegend männlich, viele Landwirte, aber auch grüne Kommunalpolitikerinnen - erweist sich als sehr fachkundig und detailfreudig, will neben Wirkungsgrad und Strommengen vor allem genaue Preise wissen: für die Anlagen (ab 2 Millionen Euro), für die Stromeinspeisung (8,6 Cent pro Kilowattstunde), für den vom Bauern verpachteten Grund (3- bis 6000 Euro im Jahr), für die Bürgerbeteiligung an Windkraftanlagen. Mit 5,5 Prozent, so Fürsts Faustformel, würde sich hier eingesetztes Kapital verzinsen. Das gute Gewissen, sich für eine saubere Zukunft ohne Atomkraft und Kohle zu engagieren, gibt es gratis dazu.

Und was ist mit all den Windkraftgegnern, die es neuerdings vermehrt auch im Nürnberger Land gibt? Die seien leider nicht da, klagt eine Mitreisende. Denn Windkraft-Manager Fürst räumt mit vielen Vorurteilen auf: Verschattung und Mindestabstand wegen Lärm ließen sich nicht generell in Metern berechnen. Das hänge immer vom konkreten Gelände ab. Beim Anstieg von Kucha aus zur Jurahöhe wundern sich viele, dass man das Kraftwerk erst spät hört und wahrnimmt. Und was die Optik angeht: Fürst findet die Windräder „einfach schön“. Offenhausens Bürgermeister und Verfechter der erneuerbaren Energien, Georg Rauh, steht still daneben und nickt lächelnd.

Im Gemeindeteil Püscheldorf entsteht übrigens die erste Biogasanlage des Nürnberger Landes. Weil die benachbarte Oberpfalz da schon weiter ist, fuhr der Bus dann in den Weiler Ammerried bei Fürnried (Gemeinde Birgland). Hier erläuterte der junge Landwirt Martin Pickel den Energie-Erforschern seine hochtechnische Biogasanlage. Mais, Getreide und Gülle kommen meist aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Das daraus gewonnene Gas sorgt nicht nur für 500 Kilowatt Strom, sondern auch für warme Wohnungen und getrocknetes Holz. Perfekt abgedichtete Gruben und ein ganzes Lager voll Hightech-Verbrennungsanlagen sind allerdings nötig, um den ständigen Wandel von Mist in Wärme und Energie am Laufen zu halten. Nicht nur Alt-Landrat Helmut Reich fragte sich beim Rückweg zum Bus, ob ein solcher Aufwand noch mit Landwirtschaft zu tun hat. Doch Bauer Pickel sieht Technik und Betriebswirtschaft als Herausforderung - und als zukunftssicheres zweites Standbein.

Schon seit 1994 läuft am Stadtrand von Sulzbach-Rosenberg mit Blick aufs alte Maxhütten-Gelände ein Biomasse-Heizkraftwerk. Der junge Geschäftsführer Thilo Munker und seine 14 Mitarbeiter sorgen in dem vor drei Jahren runderneuerten Heizwerk dafür, dass 12 000 Haushalte ihren Strom bekommen (33 Mio. KWh) und jährlich 21 Millionen Liter Heizöl eingespart werden.

Das noch von der Maxhütte initiierte Fernwärmenetz ist neun Kilometer lang und versorgt auch Schulen, Freibad und Behörden. Das gefräßige Lagerfeuer, das dafür rund um die Uhr den Dampf für eine mächtige Turbine erzeugt, mag Waldfrischholz ebenso wie Strauchschnitt und Hackschnitzel. Getrocknet wird der Brennstoff noch auf dem Weg in den Ofen. 700 Kubikmeter Holz schluckt die Anlage pro Tag. Aber die Bestände kommen alle aus einem Umkreis von bis zu 50, höchstens 100 Kilometern.

Fazit der Rundfahrt: Die Heimat ist ein großes Energiereservoir, man muss es nur zu nutzen wissen.

Infos unter www.jura-energy.com, www.esr-sulzbach-rosenberg.de

 

Quelle: "Hersbrucker Zeitung vom 9.10.2010".