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5. März 2010

Regionalkonferenz der Freien Wähler in Nürnberg

Kernaussagen der Referenten zum Thema „Metropolregion Nürnberg – Chancen und Risiken“

Hubert Aiwanger, Fraktions- und Landesvorsitzender der Freien Wähler: „Die Verflechtungsräume aus Städten und die sie umgebenden Ländlichen Räume werden flächenmäßig immer größer, sie wachsen weiter zusammen. Die Politik ist gefordert, diese Regionen so auszubalancieren, dass keine Interessenkonflikte zwischen Städten und Ländlichen Räumen mehr auftreten. Wichtige Aufgabe der Politik ist auch, vorausschauendes Krisenmanagement in den Metropolregionen zu betreiben, Strukturwandel sowie gesellschaftliche und wirtschaftliche Umwälzungsprozesse frühzeitig zu erkennen und zu begleiten. Krisenbewältigung darf nicht erst betrieben werden, wenn vorhersehbare Prozesse bereits ihre Auswirkungen zeigen. Für 50 Millionen Euro den letzten Quelle-Katalog drucken zu lassen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, ist einfach zu spät.“

Prof. (Univ. Lima) Dr. Peter Bauer, MdL und sozialpolitischer Fraktionssprecher: „In jeder Krise liegt auch eine Chance. Grundsätzlich ist die Metropolregion Nürnberg vom Arbeitsmarkt und der Wissenschaft her gut aufgestellt. Unser Ballungsraum ist angesichts der zentralen Lage in Europa im Vorteil. Außerdem sind die Lebenshaltungskosten beispielsweise im Vergleich zur Region München geringer. Die Metropolregion ist ein historisch wichtiger Raum Deutschlands (erste Eisenbahn, Nürnberger Händler und Handwerk, Freie Reichsstädte). Damit sollte noch offensiver und positiver geworben werden.“

Armin Kroder (Landrat Nürnberger Land): "Beim Thema Europäische Metropolregionen denkt man nicht nur, aber eben auch an Wirtschaft. In diesem Zusammenhang wünsche ich mir eine politische Diskussion zu wirklich wichtigen Fragen: Wie und durch wen gelingt es, verbindliche Spielregeln mit dem Ziel einer werteorientierten ökosozialen Marktwirtschaft zu etablieren? Wird insbesondere der Finanzsektor weiterhin als regelloser Raum akzeptiert? Ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir gemeinsam für die nächste Krise einstehen müssen? Auch Finanzprodukte sollten eine Art Zulassung durchlaufen müssen. Zudem muss die Einführung einer Finanztransaktionssteuer ernsthaft beleuchtet werden. Es gibt keinen Grund, warum solche Geschäfte nicht auch zur Finanzierung unserer gemeinsamen und öffentlichen Aufgaben herangezogen werden sollten.

Unsere Europäische Metropolregion Nürnberg ist ein junges und echtes Erfolgsmodell. Unsere Ziele sind der Aufbau einer internationalen Marke "Metropolregion Nürnberg". Wir wollen in Europa mitgestalten und die innerregionale Kooperation optimieren. Das geschieht in einem partnerschaftlichen Miteinander von Stadt und Land. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die Metropolregion Nürnberg

noch mehr in den Herzen unserer Bürgerinnen und Bürger ankommt."

Horst Müller (Wirtschaftsreferent der Stadt Fürth): "Die Europäische Metropolregion Nürnberg (EMN) ist mit über 3,5 Millionen Einwohnern in die großen europäischen Regionen einzuordnen und übertrifft mit ihrer Wirtschaftskraft sogar etliche Nationalstaaten der EU. Entscheidungen innerhalb der Metropolregion werden demokratisch, im Konsens und auf gleicher Augenhöhe getroffen. Bürokratie wird durch eine schlanke Organisation abseits üblicher Verwaltungswege vermieden.

Inhaltlich widmet sich die EMN streng nach dem Kriterium der Subsidiarität nur Themen, die Städte und Landkreise nicht schon bearbeiten. Der Beitritt zur EMN ist freiwillig. Aufgrund der Krise einiger öffentlich bekannter Großunternehmen in jüngster Vergangenheit hat die Region Rückschläge in ihrer Entwicklung zu verdauen. Sie wird sich aber aufgrund ihrer wissensbasierten, mittelständischen Unternehmensstruktur im internationalen Wettbewerb behaupten können. Positive Zukunftsprognosen renommierter wissenschaftlicher Institute (z.B. über Dynamik, Wirtschaftskraft, Gründungsintensität, Beschäftigte im High-Tech-Sektor etc.) bestätigen dies. Trotz aktueller Probleme (AEG, Quelle usw.) ist die Europäische Metropolregion Nürnberg keine Krisenregion, sondern eine Zukunftsregion!"

Prof. Dr. Joachim Hornegger (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen): „Die Medizintechnik ist wirtschaftliche und wissenschaftliche Kernkompetenz unserer Metropolregion mit Erlangen und Nürnberg im Zentrum. Industrielle Global Player (Siemens Healthcare, Biotronic, Wavelight etc.), außeruniversitäre Forschungsinstitute (Max Planck, Fraunhofer) und natürlich unsere Friedrich-Alexander-Universität (FAU) bauen ihre Schwerpunkte darin aus. Erst kürzlich hat die FAU ein Zentralinstitut für Medizintechnik eingerichtet. Ein hochattraktiver Studiengang bietet eine interdisziplinäre Ausbildung unter Einbindung all dieser Standortfaktoren. Das von Prof. Erich Reinhardt, Dr. Siegfried Balleis und Prof. Karl-Dieter Grüske initiierte „Medical Valley“ hat mit dem Spitzencluster Medizintechnik auf einen Schlag 40 Millionen Euro Fördermittel und noch einmal soviel Drittmittel gewonnen.“

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