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23. Juli 2010
Gipfeltreffen zum Thema Bildung in Kammerstein
Vertreter der Freien Wähler trafen sich zu einem Meinungsaustausch über das bayerische Schulsystem mit Klaus Wenzel, dem Präsidenten des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV). Eingeladen hatte der Kammersteiner Bürgermeister Walter Schnell, Bezirksvorsitzender der Freien Wähler von Mittelfranken.
Thema des Gesprächs war u. a. die Umgestaltung der Hauptschule zur Mittelschule. An dem Gespräch nahm auch der Landes- und Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Landtag Hubert Aiwanger teil. Er war sich mit Wenzel darüber einig, dass die Mittelschule keine Reform, sondern ein Etikettenschwindel sei, da sie die Startchancen der Schüler kaum verbessere. Kinder bildungsferner Schichten und Schüler mit Migrationshintergrund würden durch die Einführung der Mittelschule eher diskriminiert. „Größere Klassen, weniger individuelle Förderung und stärkere Belastung der Lehrer sind weitere Folgen dieser halbherzigen Reform“, befürchtet Klaus Wenzel. Hubert Aiwanger sieht höhere Kosten für die Kommunen und organisatorische Probleme vor allem im ländlichen Bereich.
Für Klaus Wenzel liegt die Lösung eher in einer grundsätzlichen Reform der bayerischen Schule. Er hob hervor, dass die scheinbar guten Erfolge in den verschiedenen Schulleistungstests kein Beleg für Bildung seien. Ein punktueller Wissenserfolg könne auch nur angelernt sein. Die Grundlage für die Bildung werde in den Familien gelegt. „Schulische Bildung muss dem Jugendlichen die Möglichkeit geben, Perspektiven für sein späteres Leben zu entwickeln. Sie muss ihn lebenstauglich machen und nicht nur einseitig auf das Berufsleben vorbereiten. Das gilt auch für die Haupt- bzw. Mittelschule“, so der Präsident des BLLV.
MdL Hubert Aiwanger schlug vor, inhaltliche und organisatorische Übereinstimmungen zwischen Haupt- und Realschule zu prüfen. Er favorisiere mittelfristig ein Zusammenwachsen beider Schularten, da der Schülerrückgang an den Hauptschulen letztendlich keine andere Lösung zulassen werde. Man dürfe sich nicht in ideologischen Strukturmaßnahmen verlieren. Die Freien Wähler setzten sich für kleinere Klassen und mehr Lehrer ein. Aiwanger forderte: „In allen Schularten soll die Klassenstärke maximal 25 Kinder betragen, an den Grundschulen wäre eigentlich eine Zahl darunter wünschenswert. Dringend nötig sind zudem mehr Verwaltungspersonal an den Schulen und der Einsatz von pädagogischen Zweitkräften zur Unterstützung der Lehrer in großen Klassen.“
Die ständigen Notoperationen am bayerischen Schulsystem belegen nach Meinung des Kammersteiner Bürgermeisters Walter Schnell eindrucksvoll den Zustand der bayerischen Bildungspolitik. Er sprach sich für die Gründung eine Arbeitsgruppe der mittelfränkischen Freien Wähler zum Thema Bildung aus. Dort sollen Ziele festgelegt und deren Umsetzbarkeit geprüft werden. Die Ergebnisse werden dann in die Landespolitik eingebracht.
Weitere Gespräche zum Thema Bildung seien geplant. Die bayerische Staatsregierung habe derzeit keine vernünftigen Konzepte. „Die Freien Wähler werden an pragmatischen Lösungsansätzen arbeiten“, so das Fazit Hubert Aiwangers.



